Mettlacher trauern um Hermann Kiefer

23.11.2022

Über 40 Jahre hat sich der Sozialdemokrat in kommunaler und kreisweiter Politik engagiert und sich bis zuletzt in seinem Heimatort eingebracht.

ORSCHOLZ | Die Nachricht vom Tod des langjährigen Orscholzer Ortsvorstehers Hermann Kiefer hat nach den Worten seines Nachfolgers Manuel Kerber „alle geschockt“. Kiefer war am Montag im Alter von 82 Jahren verstorben (wir berichteten bereits). Über 40 Jahre hatte sich der Sozialdemokrat in der Politik engagiert und sich bis zuletzt in seinem Heimatort eingebracht, in dem er am 15. Dezember 1940 geboren wurde.

1970 gründete der gelernte Starkstrom-Elektriker mit einem Kompagnon einen Reifenhandel. 20 Jahre später schied der Teilhaber aus und Kiefer führte das Geschäft unter dem Namen Reifen Kiefer weiter. 2005 übergab der Mann, der 23 Jahre Ortsvorsteher von Orscholz war, die Geschäfte an seinen ältesten Sohn Michael.

Fünf Jahre lang war Hermann Kiefer Mitglied im Gemeinderat der damals selbstständigen Gemeinde Orscholz. Nach der Gebietsreform engagierte er sich von 1974 bis 1981 sowie von 2009 bis 2012 im Gemeinderat Mettlach. Als erster Beigeordneter vertrat er von Juni bis Dezember 2010 Bürgermeisterin Judith Thieser, nachdem diese als Datenschutzbeauftragte nach Saarbrücken gewechselt war. Von 1979 bis 1984 war er Mitglied des Kreistages Merzig-Wadern und von 1984 bis 2012 Mitglied im Orscholzer Ortsrat. Im Sommer 2019 zog er erneut als Ortsratsmitglied ein – für die Freien Bürger Mettlach (FBM). Als Grund für seinen Schritt nannte er die Auseinandersetzung im SPD-Ortsverein um die Realisierung des Abenteuerplatzes auf dem Gelände am Aussichtspunkt Cloef. Von August 2020 bis Januar dieses Jahres arbeitete der Kommunalpolitiker, der Gründungsmitglied und Vorstandsmitglied der Initiative Saarschleife-Cloef-Schutz war, als Schiedsmann von Orscholz und stellvertretender Schiedsmann von Weiten-Faha.

Für sein ehrenamtliches Engagement erhielt Kiefer – auch Mitbegründer der Partnerschaft zwischen Orscholz und dem französischen Kanton Varades – 2002 die Freiherr-vom-Stein-Medaille und 2003 die Bundesverdienstmedaille. Diese gab er 2008 wegen der Differenzen um den Saarschleifen-Zaun zurück.

2014/15 rief er die Seniorengemeinschaft Saarschleife ins Leben. Auch für die Dreiländereck & Saarschleifen Wandertourismus GmbH stand er Pate. Als begeisterter Wanderer startete er regelmäßig zu Touren um Orscholz.

„In seinem über vier Jahrzehnte langen kommunalpolitischen Wirken hat er seinen Heimatort Orscholz maßgeblich mitgeprägt und ausschlaggebende Akzente in der Gemeinde, aber auch darüber hinaus gesetzt“, würdigt der Bürgermeister von Mettlach, Daniel Kiefer, die Verdienste seines Namensvetters. Dies tat er nach den Worten des Verwaltungschefs stets mit überaus großem Engagement und viel Leidenschaft, immer aber auch unter Berücksichtigung seiner grundsoliden, sozialen Einstellung. „Die Gemeinde Mettlach verliert mit Hermann Kiefer eine starke Persönlichkeit, die auch bei einer außergewöhnlichen Fülle von schwierigen Fragen, diese politisch zu bewerten und begleiten wusste, aber auch bei seiner Amtsführung stets den notwendigen Weitblick bewiesen hatte.“ Er sei für viele seiner Wegbegleiter ein allseits geschätzter Rat- und Ideengeber und persönlicher Freund gewesen. „Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen trauernden Angehörigen“ – eine Aussage, der sich Ortsvorsteher Manuel Kerber anschließt.

Er lobt Kiefers Unternehmen, seinen kommunalen Gestaltungswillen und nicht zuletzt sein soziales Engagement. „Es war mir eine Ehre, mit ihm in den letzten Jahren gemeinsam vor Ort Politik zu machen, und ich wünsche mir, dass wir Hermann so in Erinnerung behalten, wie ich ihn kennenlernen durfte: engagiert und herzlich zum Wohle der Menschen in unserem Ort.“

Joachim Badelt, Fraktionschef der FBM im Mettlacher Gemeinderat, dankt Kiefer für sein Wirken für die Menschen in der Gemeinde Mettlach. Der Wählergemeinschaft hatte der langjährige Ortsvorsteher zuletzt angehört. „Für mich persönlich war er immer ein besonderer Mensch, den ich sehr geschätzt habe.“ Er bescheinigt Kiefer, dass dieser in hohem Maße der Natur und seiner Heimat verbunden und zeit seines Lebens sozial engagiert gewesen war. „Das stand auch bei seiner politischen Tätigkeit im Vordergrund. Politisch war er ein Freigeist, der mutig seinen Überzeugungen folgte und dabei, immer das Wohl seiner Mitmenschen im Auge, manch ungewöhnlichen Weg ging.“ Das habe ihn am Ende seines politischen Schaffens zur FBM geführt. „In Gedanken sind wir bei seiner Familie. Wir werden Hermann stets in guter Erinnerung behalten.“

Nach SZ-Informationen ist die Trauerfeier für Hermann Kiefer am Freitag, 2. Dezember, 14.30 Uhr, in der Pfarrkirche Orscholz geplant – anschließend ist die Beisetzung auf dem Friedhof.

Autorin: VON MARGIT STARK SAARBRÜCKER ZEITUNG
erschienen am 23.11.2022 Seite C4
Quelle:
https://e-paper.saarbruecker-zeitung.de/webreader-v3/index.html#/993315/20-21