Aus neun Windrädern sollen vier werden

18.11.2022

Der Geschäftsführer von Ökostrom Saar, Thomas Nägler, stellte dem Wehinger Ortsrat den Plan für den Windpark am Kewelsberg vor.

WEHINGEN | Höher, leistungsfähiger und leiser: Dies zeichnet die neue Generation von Windrädern aus, die nach den Worten von Thomas Nägler von Ökostrom Saar die bestehenden Anlagen im Windpark auf dem Kewelsberg westlich von Wehingen nach und nach ersetzen sollen. In der Sitzung des Wehinger Ortsrates hat der Planungs-Ingenieur die vier dort vorgesehenen neuen Windräder vorgestellt. Sechs Ja-Stimmen (von acht Ortsratsmitgliedern) gab es dafür – bei zwei Enthaltungen.

„Ursprünglich hatten wir fünf Anlagen eingeplant“, verrät Nägler. Doch der Mettlacher Bürgermeister Daniel Kiefer und der Bauausschuss hätten ihn gebeten, auf eines zu verzichten und nur vier einzuplanen – einem Wunsch, dem Ökostrom Saar als Projekt-Planerin Folge geleistet habe. Drei der neuen Anlagen haben nach seinen Ausführungen eine Gesamthöhe von 220 Metern, eines sei insgesamt 250 Meter hoch. Damit wären die neuen Anlagen gut 100 Meter höher als die bestehenden, in einem Fall etwa 125 Meter. Die Gesamthöhe errechnet sich durch die Höhe des Turmes sowie den halben Wert des Rotordurchmessers. Rund 73 Millionen Kilowattstunden Strom liefern die neuen Anlagen laut Nägler insgesamt – das würde den dreifachen Ertrag der bisherigen Menge bedeuten. Die Einspeisung des Stromes kann nach seinen Worten über die vorhandene Trasse, dem Erdkabel am Umspannwerk Borg erfolgen oder optional über ein eigenes Umspannwerk an der A 8, die in der Nähe des Windparkes vorbeiläuft.

2003 seien die ersten Anlagen auf dem Kewelsberg errichtet worden, erinnerte Nägler. Das Terrain dort bezeichnet er als gute Lage für die Erzeugung von Windenergie, da der Wind an diesem Standort von allen Seiten komme. Nach 20 Jahren sei es nun Zeit, ältere Anlagen oder Teile davon durch moderne und leistungsfähigere zu ersetzen. Das wird als Repowering bezeichnet. „Diese Arbeit erledigen wir für die Firma Q Energy aus Berlin. Das Unternehmen, das auf dem Sektor Erneuerbare Energien auf der ganzen Welt zu Hause ist, hat den Windpark 2019 gekauft“, sagt der Planer von Ökostrom Saar.

Anlagen, die vor zwei Jahrzehnten hochgezogen wurden, verlieren laut Nägler nach Ablauf dieser Betriebszeit den Anspruch auf eine finanzielle Förderung über die EEG-Umlage. Allerdings können sie noch Jahre laufen.

Warum ein Repowering jetzt Sinn macht, erklärte Nägler so: „Die neuen Anlagen produzieren dreimal soviel Strom wie die alten. Knapp 24 000 Haushalte können versorgt werden, bislang sind es 4000“, nennt er Vergleichszahlen. Nicht nur in Sachen Effizienz sei die neue Generation gegenüber ihren Vorgängern im Vorteil. „Was die Schallimmission betrifft, sind sie besser als die alten. Sie lassen sich besser regeln und sind leiser“, sagt er über die Geräusche der Rotorblätter, die nach Ansicht von Kritiker belästigend sind. „Der Schattenwurf geht fast auf Null“, kommentiert er die Helligkeitsschwankungen, die ebenfalls oft beanstandet werden. Als Grund nennt er die Abschaltautomatik, die für den Windpark sinnvoll und notwendig ist und im Genehmigungsverfahren enthalten sein soll. Die Abschaltung erfolge, sobald der Schattenwurf durch eine Anlage bei umliegenden Wohnhäusern gesetzlich festgelegte und zulässige Jahres-Schwellenwerte überschreite.

Durch die Ausstattung mit einer bedarfsgerechten Nachtkennzeichnung (BNK) leuchte die Anlage nachts nur dann, wenn sich ihr ein Flugzeug oder ein Hubschrauber nähere. Dies sorge dafür, dass neuer Anlagen, anders als bislang, nicht mehr ständig in der Nacht ein blinkendes Warnlicht abgeben. Dieses Warnlicht werde nur noch aktiviert, wenn es notwendig ist: BNK-Systeme erkennen laut Nägler eingehenden Flugverkehr in 4000 Meter Radius und 600 Metern Höhe. Nur wenn ein Flugzeug oder Hubschrauber in diesen Luftraum eintrete, werde die Nachtkennzeichnung aktiviert und die Windkraftanlage beleuchtet. Die Firma BNK Saar, die diese Technik mit entwickelt habe und vertreibe, ist nach den Worten von Nägler eine Tochter von Ökostrom Saar und neutrale Firma, die allen Interessenten ein solches System anbiete.

Finanziell interessant seien die Windräder indes für die Kommunen, die sich im Umkreis von zweieinhalb Kilometern befinden. Das sieht laut Nägler eine Neuregelung im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus dem Jahr 2021 vor. So können Betreiber von Windenergieanlagen 0,2 Cent je erzeugter Kilowattstunde Windstrom an die Kommunen weitergeben, im Zuge einer freiwilligen Vereinbarung. Allein für die Gemeinde Mettlach seien dies rund 60 000 Euro pro Jahr.

METTLACH LEGT FLÄCHEN FÜR WINDRÄDER FEST

Eingangs der Sitzung hatte Achim Später, Mitarbeiter des Planungsbüros Argus Concept, den Flächennutzungsplan (FNP) für Windenergie vorgestellt, den der Gemeinderat in einer überarbeiteten Form unlängst auf den Weg gebracht hatte. Damit werde ein rechtliches Vakuum beseitigt, denn aktuell besitzt die Gemeinde keinen rechtskräftigen FNP für Windenergienutzung – was eine Errichtung von Windrädern auf dem gesamten Gemeindegebiet theoretisch möglich gemacht hätte. In dem neuen FNP werden hingegen so genannte Konzentrationszonen oder Vorranggebiete definiert. Nur auf diesen Flächen ist dann der Bau von Windkraftanlagen zulässig. Der von Später vorgestellte Plan wurde von dem Ortsrat einstimmig für gut geheißen. Insgesamt 17 Anlagen – die geplanten Windräder eingeschlossen – sollen sich dann auf Mettlacher Gebiet drehen. Demnach generieren diese eine Gesamtleistung von 41,6 Megawatt. Mit 3,1 Prozent der Gemeindefläche stellt die Gemeinde Mettlach künftig mit den Windrädern auf dem Renglischberg 1,1 Prozent mehr an Konzentrationsflächen für Windräder als erfordert.

Autorin: MARGIT STARK SAARBRÜCKER ZEITUNG
erschienen am 18.11.2022 Seite C1
Quelle:
https://e-paper.saarbruecker-zeitung.de/webreader-v3/index.html#/993125/14-15